Rituale für besondere Anlässe

Wieso Rituale dein Leben bereichern.

Kerzenritual bei der freien Hochzeitszeremonie

Rituale sind wie Pralinen, sie heben eine besondere Situation oder Ereignis hervor. In unserem Leben finden wir manchmal keine Worte, um Gefühle oder das Besondere auszudrücken.

Dann brauchen wir Bilder oder Zeichenhandlungen, um das besondere Ereignis zu verdeutlichen und hervorzuheben. Aber was genau können Rituale bedeuten und bewirken?

 

Rituale sind wie Pralinen!

Auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt gibt es einen Stand mit selbstgemachten belgischen Pralinen. Und jedes Jahr gehört es schon zu einem Ritual, dass meine Frau und ich zu diesem Stand auf dem Weihnachtsmarkt gehen und Pralinen kaufen.

Wir kaufen nicht jedes Jahr dieselben, sondern wir überlegen immer neu, welche Sorten wir nehmen.  Wir kaufen immer zwei Pralinen pro Sorte.

Die Pralinen kommen zu Hause in den Kühlschrank und Weihnachten zum Kaffee wird die erste Praline gegessen und genossen. Es wird genau geschmeckt, was in der Praline alles drin sein könnte. Dieses Ritual machen wir schon seit vielen Jahren.

Als mir diese Begebenheit beim Schreiben dieses Artikels einfiel, da hatte ich gedacht, so wie ich Pralinen genieße, so sind Rituale dazu da, mir etwas Gutes zu tun und mein Leben zu genießen.

Die Psychologin und Therapeutin Cathrine Herriger behauptet, dass eine rituelle Handlung, ob bewusst oder unbewusst, stets eine bestimmte Wirkung bezweckt.

Rituale sind mehr als Alltagsgewohnheiten und mehr als bloßes eingespieltes Routineverhalten. Sie haben von ihrem Ursprung her immer eine religiöse Wurzel. Sie wollen den Himmel über unserem Leben öffnen.

Die große Bedeutung und Wichtigkeit von Ritualen werden in vielen Kontexten hervorgehoben, eine allgemein gültige Definition darüber was ein Ritual ist, ist jedoch schwer zu finden.

Was haben Rituale für eine Bedeutung?

Der Duden beschreibt, in der Bedeutungsübersicht, Rituale zum einen als „Gesamtheit der festgelegten Bräuche und Zeremonien, aber auch als wiederholtes, immer gleichbleibendes, regelmäßiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung“ also im Sinne von Zeremoniell.

Beim Thema Rituale denken wir in der Regel an Bräuche anderer Kulturen oder an religiöse Handlungen.

Sie verleihen unseren Worten Ausdruck und kehren unsere innere Haltung nach außen. Rituale drücken Gefühle aus, die mit Worten nur schwer oder gar nicht ausgedrückt werden können.

Sie lassen das Kind und den Erwachsenen, den Vater und die Mutter in uns zu Wort kommen. Sie sind ein Ausdrucksmittel, das Körper, Geist und Seele kreativ handeln lässt.

Ein Apfelbaum wird in der Trauzeremonie gepflanzt

Rituale sind eine lebendige und lebensfähige Form der Kommunikation.

Sie können ein Ort der Begegnung mit mir selbst und mit Gott sein. Rituale begleiten uns regelmäßig im Alltag von Tag zu Tag. Sie begleiten uns von Jahr zu Jahr, wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern.

Und sie begleiten uns an besonderen Tagen unseres Lebens. Wie zum Beispiel bei der Geburt eines Kindes oder der Trauung zweier liebender Menschen, die künftig gemeinsam durch Leben gehen wollen.

Mit der Geburt beginnt unser Lebensweg. Auf diesem Lebensweg gibt es, wie auf jedem Wanderweg, Stationen.

Stationen, um Pause zu machen und inne zu halten. Lebenspunkte, Stationen, in denen sich dein bisheriges Leben verändert, wo du einen neuen Lebensabschnitt beginnst.

Segen für die Brautleute bei der freien Trauung

Wendepunkte bewusst begehen!

Der Slogan meines Unternehmens heißt: „Wendepunkte bewusst begehen!“ In dem Wort Wendepunkt steckt das Wort Ende. Ich bin an einen Punkt angelangt, da ist ein Wegabschnitt zu Ende und es beginnt ein neuer Weg.

Um diesen Lebensabschnitt bewusst zu begehen, brauchen wir Rituale. Neben den klassischen gibt es heute viele individuelle Rituale, die einen Übergang im Leben markieren.

Wie zum Beispiel die Liebesschlösser an der Brücke, die eine Beziehung markieren. Bei Übergängen in unserm Leben sind nicht nur Symbole, sondern auch die Handlungen ganz wichtig.

Übergangsrituale kann ich mit dem Bild beschreiben: Ich schließe eine Tür und öffne zu gleich eine andere Tür. Mit einem Ritual gehe ich über die Schwelle und betrete einen anderen Raum.

Besondere Stationen im Leben: Geburt, Hochzeit und Tod.

Meist gedenken wir besonders die Lebenspunkte: Geburt, Hochzeit und Tod. Diese Lebensstationen werden auf der ganzen Welt und in allen Kulturen besonders bedacht.

Ehringe an rotem Band gebunden

Menschen aller Kulturen und Länder geben sich das Jawort. Sie tun es aus Liebe, aus Vernunftgründen oder weil es die Tradition so will.

Und sie geben sich das Jawort auf der unterschiedlichsten Art und mit verschiedensten Riten:

In den Niederlanden pflanzt das Brautpaar einen Baum, weil sie sich davon gesunde Kinder erhoffen. Auf den Philippinen ist es üblich, die Frischvermählten zu kämmen, damit ihre Ehe glücklich wird.

Bei uns steckt ihr euch gegenseitig einen Ring an den Finger, als Zeichen, dass ihr nun zusammengehört. In der Regel war bisher, in unserem Kulturkreis, für die rituelle Feier der Pastor zuständig.

Man ging, zum Beispiel, zum Heiraten in die Kirche. Das hat sich geändert. Immer mehr Menschen fühlen sich aus den verschiedensten Gründen in der Kirche als Institution nicht zuhause.

Dennoch möchten Menschen ihren besonderen Lebenspunkt bewusst hervorheben. Bei der Hochzeit entscheiden Brautpaare sich für eine freie Trauung.

Aber auch zur Geburt des Kindes entscheiden sich Eltern anstatt der kirchlichen Taufe für ein Begrüßungsfest oder auch einer freien Taufe.

Was ist eine „freie Taufe“?

Babyfüße mit Blume bei freier Taufe

Ich muss gestehen, anfangs haben sich bei mir die Nackenhaare aufgestellt, wenn ich von einer freien Taufe gehört habe. Bei näherer Betrachtung finde ich es dann gar nicht so verkehrt.

Wenn wir von der Taufe sprechen, dann meinen wir damit die Aufnahme in einer bestimmten Gemeinschaft. Es gibt zum Beispiel die Taufe der Buchdrucker und anderer handwerklicher Innungen.

Damit wird deutlich gemacht, dass der Getaufte jetzt, – in unserem Beispiel – zur Gruppe der Buchdrucker dazu gehört.

Mit der christlichen Taufe wird man Mitglied einer Religionsgemeinschaft, man wird Mitglied einer Glaubensfamilie.

Die inhaltliche theologische Bedeutung, die mit der christlichen Taufe verbunden ist, will ich jetzt einmal außen vorlassen.

Mir geht es hier um die symbolische Handlung, der Aufnahme in eine Gruppe. Mit der freien Taufe feiert man die Freude über das neue Mitglied in der Familie. Es wird in einem festlichen rituellen Rahmen begrüßt und sozusagen in die Familie aufgenommen.

Rituale zum Tod eines Menschen.

Auch beim Tod eines Menschen, dem man sehr nahe gestanden hat, sind Rituale von großer Bedeutung. Sie geben dem Trauernden halt und helfen ihm, über den Schmerz hinwegzukommen.

Ritual für die Trauerfeier

Bei Urnenbeisetzungen erlebe ich, dass Kinder ein Bild gemalt oder einen Brief geschrieben haben. Das Bild oder der Brief wird bei der Trauerfeier in die Urne getan oder ins Grab gelegt.

Rituale für besondere Zeiten in unserem Leben.

Wir brauchen Zeichenhandlungen, um eine Tür zu schließen und eine andere zu öffnen.

Bei der Zeremonie einer freien Trauung, die ja schon an sich ein großes Ritual ist, ist es üblich, dass ihr euch ein Ritual überlegt, um diesen Schritt besonders zu unterstreichen.

Dazu gebe ich euch in unseren Gesprächen Beispiele, wie so etwas aussehen könnte.

Da gibt es zum Beispiel das Sandritual. Hier wird ein Gefäß mit verschiedenfarbigem Sand gefüllt, um die Gemeinsamkeit und die bleibende eigene Persönlichkeit zu symbolisieren. Und es gibt noch ganz viele andere symbolische Handlungen, da ist der Kreativität keine Grenze gesetzt.

Das Ritual jedoch mit der Kerze gefällt mir persönlich am besten. Bei diesem Ritual gestalten die Brautleute zu ihrem Hochzeitstag entweder selbst eine Kerze oder sie lassen sich eine Kerze nach ihren Vorstellungen gestalten.

Die Kerze wird in der Zeremonie entweder ziemlich am Anfang oder erst zum Eheversprechen angezündet. Je nachdem, wie es am besten im Ablauf der Zeremonie passt.

Die Tafelkerzen werden für das Ritual entzündet

Dazu gibt es zwei Tafelkerzen, die entweder die Trauzeugen oder die Eltern des Paares von mir bekommen. Dann zünde ich die Kerzen an, mit der Bitte, das Licht der brennenden Kerzen dem Hochzeitspaar zu geben.

Wenn die Brautleute dann die Kerzen in ihren Händen halten, fordere ich sie auf, ihre Hochzeitskerze zu entzünden. Manche Paare haben den Wunsch, an dieser Stelle auch einen Psalm zu beten.

Später kann man die Kerze jedes Jahr erneut zum Hochzeitstag anzünden. Oder sie wird angezündet, wenn einer eine längere Zeit nicht da ist, um an ihn oder sie zu denken.

Wenn ihr besonderen Wert auf christliche Rituale legt, gibt es viele Möglichkeiten, sie in die Zeremonie der freien Trauung einzubinden.

Ob nun christliche oder Zeichenhandlungen ohne religiösen Hintergrund, es gibt tausende Möglichkeiten, dem Leben mit einem Ritual zu begegnen. Traue deiner eigenen Phantasie.

Wichtig ist, dass die Zeichenhandlung zu dir passt.

Ich wünsche dir, dass du für dich und dein Leben Rituale findest, die deinem neuen Lebensabschnitt Ausdruck verleihen.

Rituale helfen dir, Wendepunkte des Lebens hervorzuheben und sie würdig und bewusst zu beschreiten.

Schreibe mir doch unten im Kommentar, welche Rituale du kennst oder welche dir besonders gut gefallen.

Autor

Als freier Redner und Theologe begleite ich Menschen, die besondere Ereignisse im Leben bewusst begehen wollen. Das können sowohl freie Trauungen und Willkommens- und Namengebungsfeiern, als auch Trauerfeiern und andere Abschiedsfeiern sein. Ich nehme mir Zeit für dich und höre dir zu. So bekomme ich ein Gefühl, wie du denkst und was dich bewegt. In Begegnungen mit Menschen wird mir bewusst, dass ich seit vielen Jahren den schönsten Beruf der Welt habe. Zuvor habe 13 Jahre als Franziskaner in der Seelsorge gearbeitet. Viele Menschen habe ich in der Schule, dem Krankenhaus oder der Pfarrei begleitet. Als ich meine Frau kennen- und lieben gelernt habe, durfte ich innerhalb der katholischen Kirche nicht mehr weiterarbeiten. So konnte ich den Beruf, für den ich einst gebrannt habe, nicht mehr ausüben. Heute mache ich das, was ich früher getan habe, außerhalb der Kirche. Ich erarbeite Zeremonien, in denen sich die Menschen wiederfinden. Alles ist sehr viel persönlicher und auf den Menschen individuell zugeschnitten. Wenn ich freizeitlich unterwegs bin. Wenn ich gerade mal nicht beruflich unterwegs bin, dann tanze ich mit meiner Frau im Tanzclub, singe im Kirchenchor oder fahre mit dem Fahrrad durch die Landschaft. Und im Urlaub lasse ich mir gerne den Wind an der Nordsee um die Nase wehen. Musik gehört zu meinem Leben. Während des Studiums habe ich im Blasorchester 1. Trompete gespielt. Auf vielen Schützenfesten und anderen Bällen haben wir gespielt. Heute singe ich im Kirchenchor. Mein Musikgeschmack ist, vielleicht von meiner musikalischen Vergangenheit her, sehr breit gefächert. Das fängt an bei Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn-Bartholdy, bei der ich mich gut entspannen kann. Geht über Glenn Miller, wegen der tollen Posaunensoli. Geht weiter zu Reinhard Mey und Herbert Grönemeyer, weil die Texte so wundervoll sind. Bis hin zu Tina Turner und Anastacia, wegen der krassen Stimmen. Komme mit mir in Kontakt: post@festlich-ohne-pastor.de Tel. 0231 4442364

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